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Heimservice: Essen vom Lieferdienst

Ist das Kochen zu Hause nicht mehr möglich, können spezialisierte Dienstleister wie zum Beispiel Lieferdienste helfen. Die Auswahl ist heute größer als je zuvor
von Julia Rudorf, 09.08.2017

Lieferung frei Haus: Vor allem in der Stadt bieten sich viele Essenszusteller an

istock/YinYang

Es passierte im Winter. Margit Weinert (Name von der Redaktion geändert), Mitte 70, stürzte schwer. Als die alleinstehende Dame wieder aus der Klinik entlassen wurde, kam sie kaum noch aus ihrer Wohnung. Vor dem Unfall hatte sie jeden Tag das Nachbarschaftshaus Urbanstraße in Berlin-Kreuzberg besucht und dort gemeinsam mit anderen älteren Herrschaften zu Mittag gegessen. Jetzt ging das nicht mehr, weder das Einkaufen noch das Selberkochen.

Also kam das Essen zu Margit Weinert nach Hause. "Sie hat bei uns im Nachbarschaftshaus angerufen und ist dann von ehrenamtlichen Helfern beliefert worden", erzählt Petra Schnabel. Seit 20 Jahren bringt die Köchin in der Einrichtung gute und günstige Mahlzeiten auf den Tisch – für Jung und Alt.

Englische Idee, die schmeckt

Sie setzt damit eine lange Tradition fort. 1961 wurden an der Urbanstraße zum ersten Mal in Deutschland Speisen an ältere Menschen nach Hause geliefert, die sonst keine warme Mahlzeit bekommen hätten. Die Idee dieses sogenannten Essens auf Rädern, ursprünglich aus England importiert, verbreitete sich von Berlin aus in der ganzen Re­publik. Heute werden in Deutschland nach Schätzungen über 325.000 Menschen regelmäßig mit warmen Speisen versorgt. Mobile Menüdienste nehmen ihren Kunden dabei nicht nur das Kochen ab, sondern auch den Einkauf.

Sie ermöglichen es manchen älteren Personen, länger zu Hause in gewohnter Umgebung zu leben. "Grundsätzlich sind Essen-Bringdienste eine gute Option für Menschen, die nicht mehr in der Lage sind, für sich selbst zu kochen", sagt Professorin Dorothee Volkert vom Institut für Biomedizin des Alterns an der Friedrich-Ale­xander-Universität Erlangen-Nürnberg. Auch für Angehörige könne es eine Erleichterung bedeuten, wenn bei Opa oder Tante einmal am Tag ein Menü auf dem Tisch steht.

In den Städten gibt es viele Anbieter

Aber was darf es sein? Und von wem? "Essen auf Rädern" ist zwar mittlerweile ein feststehender Begriff, doch zahllose Dienstleister schmücken sich mit ihm. Rund die Hälfte der Angebote kommt von Wohlfahrtsverbänden wie etwa dem Roten Kreuz, der Caritas, der Arbeiterwohlfahrt, dem Paritätischen Wohlfahrtsverband, den Johannitern oder den Maltesern. Die andere Hälfte machen private Firmen aus.

Vor allem in Städten ist die Konkurrenz groß. Zudem nutzen zunehmend mehr Senioren das Internet oder Telefon, um etwa bei ihrem Lieblingsitaliener Pizza oder Pasta zu bestellen. Manche machen auch lediglich Gebrauch von Bringdiensten, um sich aus dem Supermarkt frische Lebensmittel oder Tiefkühlkost liefern zu­ ­lassen, die sie anschließend selbst zu­bereiten.

Frisch ist nicht die Regel

Auf dem Land sieht die Situ­a­tion anders aus. In dem kleinen Ort Tuningen in Baden-Württemberg beispielsweise organisieren Ehrenamt­liche zusammen mit der Gemeinde einen Lieferservice. Die Mahlzeiten kommen vom örtlichen Gasthof Kreuz. Es sind nur etwa ein Dutzend Mittag­essen, die die Helfer täglich ausfahren. "Da geht es auch um den sozialen Aspekt. Wie würden die älteren Herrschaften im Ort denn sonst etwas Warmes bekommen?", sagt der Wirt und Koch Dieter Mauthe.

Dass frisch Gekochtes geliefert wird, ist aber längst nicht die Regel. Während manche Wohlfahrtsverbände eigene Küchen unterhalten, arbei­­ten andere mit Dienstleistern zusammen, die vorgekochte Mahlzeiten tiefgefroren ausfahren. Diese werden dann nur noch erwärmt. Einen Qua­litäts­nachteil muss das nicht unbedingt bedeuten. Sind die Speisen im Lieferfahrzeug längere Zeit unterwegs, lassen sie sich schließlich nicht ewig warm halten.

Angebote vorher genau prüfen

Verbraucherzentralen empfehlen, sich vorab genau über die verschiede­nen Angebote zu informieren. Auch ein einmaliges Probe-Essen ist in ­vielen Fällen möglich. Zwar werben zahlreiche Dienstleister damit, bei ­ihren Menüs auf eine ausgewogene Ernährung sowie genug Obst und ­Gemüse zu achten – doch das stellt lediglich ein wichtiges Kriterium dar.

"Entscheidend ist vor allem, dass das Essen schmeckt. Und dass es auch gegessen wird", erklärt die Ernährungs­expertin Volkert. Denn ältere Menschen haben eigene Vorlieben. Die Empfindlichkeit der Geschmacks­nerven geht mit der Zeit ­­zurück, deshalb werden häufig gut gewürzte Speisen bevorzugt. "Dazu kommen bei vielen Menschen noch Kau- und Schluck­beschwerden", sagt Volkert. Auch hier führen viele der großen Anbieter spezielle Menüs, die auf diese Bedürfnisse eingehen.

Essen mit Erinnerungswert

Besonders beliebt sind außerdem ­traditionelle Gerichte – Essen, das an die Kindheit und Jugend erinnert. Bei einem der größten deutschen Menü­­lieferdienste rangieren Rinderrouladen mit Rotkohl auf Platz eins der am häufigsten bestellten Gerichte. Dazu kommen natürlich noch regionale Unterschiede.

"Linsen mit Spätzle, das mögen unsere Senioren besonders gern", berichtet der Wirt Dieter Mauthe aus Tuningen. In Kreuzberg dagegen stehen Berliner Spezialitäten hoch im Kurs, Buletten etwa oder Sauerbraten. "Manche Kunden sind schon kritisch, wenn vegetarische Maultaschen auf dem Menü stehen", sagt Petra Schnabel. Und bei Fisch oder internationaler Küche, da gehen die Bestellungen durchaus einmal zurück.

In Gemeinschaft schmeckt es besser

Doch so groß die Auswahl auch ist – alles kann ein Menüdienst nicht liefern. "Der soziale Aspekt, zusammen mit anderen Menschen eine Mahlzeit einzunehmen, der spielt für den Appetit ebenfalls eine Rolle", weiß die Wissenschaftlerin Volkert.

Diese Erfahrung machte auch die Köchin Petra Schnabel. Irgendwann rief Margit Weinert an, direkt bei ihr in der ­Küche. Sie bedankte sich sehr für die gelieferten Mahlzeiten, sei jetzt aber bald genesen – und freue sich wieder darauf, zum Mittag­essen ins Nachbarschaftshaus zu gehen. Allein zu Hause, da habe es irgendwie anders geschmeckt.



Bildnachweis: istock/YinYang

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